Die Schwangerschaft

Typische Fragen, Sorgen und Schwangerschaftsbeschwerden

Die Schwangerschaft läßt sich in drei Phasen unterteilen. Man nennt diese Phasen auch Trimenon, ihre Übergänge sind zumeist fließend.

Das erste Trimenon (1.-3. Schwangerschaftsmonat)

kann man auch als Phase der Auseinandersetzung bezeichnen: Zum einen muß sich der Körper der Frau mit dem neuen, sich entwickelnden Leben in ihm auseinandersetzen und sich daran anpassen, zum anderen muß sich die Frau aber vor allem auf der psychischen Ebene mit diesem einschneidenden Ereignis befassen.

Das zweite Trimenon (4.-6. Schwangerschaftsmonat)

wird auch Phase des Wohlbefindens genannt. Körper und Geist haben sich auf die Schwangerschaft eingestellt; die ersten Kindsbewegungen sind zu spüren; die Frau fühlt sich meist rundum gesund und voller froher Erwartungen.

Das dritte Trimenon schließlich (7.-9. Schwangerschaftsmonat)

wird auch als Phase der Belastung bezeichnet. Wie der Name schon vermuten läßt, wird für die schwangere Frau alles ein bißchen beschwerlicher: Körperliche Aktivitäten sind durch den immer größer werdenden Bauch deutlich eingeschränkt, frau schläft nicht mehr so gut, und schließlich fühlen die Frauen einen regelrechten Schwangerschaftsüberdruß: Die Geburt wird herbei gesehnt.

Jede Phase hat ihre "typischen Begleiterscheinungen", die nicht jede Frau als Beschwerden empfinden muß. Doch manche dieser Beschwerden können für die Betroffenen zu einem enormen Leidensdruck führen, sind aber häufig durch einfache Maßnahmen zu lindern. Die regelmäßigen Vorsorgetermine ermöglichen es der Frau, sich immer ganz aktuell Rat und Hilfe beim Arzt oder der Hebamme geben zu lassen.Der Arzt oder die Hebamme wiederum lernt die Frau durch die regelmäßigen Besuche immer besser kennen und können somit ganz individuell auf die Bedürfnisse der Frau eingehen und ein "Gefühl" für diese Schwangerschaft und dieses Kind bekommen.


Phase der Anpassung
In dieser Phase, wo frau doch gerade erst anfängt, sich schwanger zu fühlen, kann schon ganz viel für die kommende Zeit vorgearbeitet werden, damit verschiedene Beschwerden erst gar nicht auftreten. Beim Erstkontakt wird vom Arzt Arzt eine Art "Belastungs-Grundstatus" erhoben. Es ist wichtig, daß die Schwangere das eigene Körpergefühl stärkt, was z.B. durch einfache Yoga-Übungen und/ oder Atem- und Entspannungsübungen erreicht werden kann.

Die Schwangerschaft ist spätestens ab der dritten Phase eine enorme Belastung für das Bindegewebe und die Wirbelsäule. Oft leiden Frauen dann unter Rückenschmerzen, schweren Beinen etc. Um dem zuvorzukommen, sollten schon jetzt eine gute Haltung und Bewegung, richtiges Heben und Tragen geübt werden, sollte Wirbelsäulengymnastik zum Aufbau der Muskeln gemacht und auf eine gute Ernährung geachtet werden.

Die Ernährung ist sicher ein Hauptthema. Welche Nahrungsmittel sind jetzt besonders wichtig, welche sollten gemieden werden? Auch hier wird der Arzt ganz individuell auf die Ernährungsgewohnheiten der jeweiligen Frau eingehen. Ganz allgemein gilt eine ausgewogene, vielfältige Ernährung als erstrebenswert, und nach Rücksprache mit dem Arzt können bestimmte Vitamine und Mineralien (Nahrungsergänzungen) zusätzlich eingenommen werden.

Viele Frauen leiden in den ersten drei Monaten unter Übelkeit und Erbrechen - manche sogar so sehr, daß sie an Gewicht verlieren. In einem gewissen Rahmen gehört dies zu einer normalen Schwangerschaft dazu. Durch bestimmte Tees (z.B. Ingwertee, Fencheltee), häufige und kleine Mahlzeiten, ein kleines Stück Brot noch vor dem Aufstehen etc. kann die Übelkeit meist gut gelindert werden. In hartnäckigeren Fällen kann der Arzt oft noch über Naturheilvervahren weiterhelfen.

Müdigkeit und Hypotonie (= niedriger Blutdruck) sind ebenfalls lästige Begleiterscheinungen der ersten Schwangerschaftswochen. Der Körper der Frau muß eine enorme Umstellungsleistung erbringen. In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten wird der neue kleine Mensch komplett gebildet, so daß er danach "nur" noch wachen und reifen muß. Frau sollte sich einfach das Mehr an Ruhe gönnen. Mit kreislaufanregender Gymnastik, vor allem vor dem Aufstehen, und warm-kalten Wechselduschen läßt sich meistens der Kreislauf wieder auf Trab bringen.

Eine ebenfalls lästige aber harmlose Beschwerde ist das häufige Wasserlassen. Die langsam wachsende Gebärmutter füllt am Anfang das kleine Becken aus und macht so der Harnblase ihren Platz streitig. Doch spätestens im zweiten Trimenon wird das wieder besser, da dann die Gebärmutter hauptsächlich oberhalb des Beckens Raum fordert. Die Trinkmenge sollte höchstens abends vor dem Schlafengehen reduziert werden, um nicht zu häufig nachts wach zu werden. Doch tagsüber ist es ratsam, gut zu trinken und eben häufig auf die Toilette zu gehen, denn gerade eine Schwangere und ihr Kind brauchen ausreichend Flüssigkeitszufuhr.

Häufig sind auch ein starkes Spannen in den Brüsten und empfindliche Brustwarzen für viele Frauen die ersten Schwangerschaftszeichen. Das Drüsengewebe vollendet sich; die Brust wächst und wird auf ihre spätere Aufgabe, das Stillen, vorbereitet. Ein gut sitzender BH, warme Lavendelbäder oder Massagen mit Lavendelöl wirken oft Wunder. Das Stillen ist von Anfang an ein wichtiges und in der Schwangerschaftsbegleitung immer wiederkehrendes Beratungsthema. Arzt oder Hebamme schauen die Brust regelmäßig an und gibt wichtige Tips für die Pflege und für die Vorbereitung auf das Stillen. In der Regel kann jede gesunde Frau ihr Kind stillen.

Gegen Ende des ersten Trimenon verspüren viele Schwangere Dehnungsschmerzen in der Leiste. Die Gebärmutter ist an vielen Bändern im Becken und am Kreuzbein fixiert. Durch das Wachstum gibt es nun einen kräftigen Zug auf diese Bänder, was den Schmerz verursacht. Durch Dehnungsübungen und Massagen lassen sich diese Beschwerden gut mindern.

Blutungen in der Frühschwangerschaft sind gar nicht selten. Eine Schmierblutung hat dabei meistens nichts zu bedeuten. Der Körper hat sich hormonell noch nicht ganz umgestellt, und diese Blutungen treten oft auch im Rhythmus der Menstruation auf. Stärkere Blutungen dagegen können durchaus das Ende der Schwangerschaft anzeigen. Frau hat dabei nichts falsch gemacht, sondern irgendetwas in diesem komplexen Regelwerk hat nicht gestimmt. Viele Frauen haben ein oder zwei Aborte in ihrem Leben - auch wenn es weh tut, so ist es doch nichts Krankhaftes. Doch sollte die Schwangere auf jeden Fall ihre Hebamme oder ihren Arzt darüber verständigen und sich Rat und Hilfe holen.

Viele Frauen möchten über Urlaubsreisen, Sport und andere Freizeitaktivitäten beraten werden. Was kann frau noch alles tun, was sollte sie schon unterlassen? Die Antworten hierfür sind ganz unterschiedlich, denn jede Frau bringt andere Voraussetzungen mit, so daß hier individuell beraten wird.

Pränataldiagnostik ist ebenfalls ein Thema, welches in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt, oft aber große Ängste und Konflikte auslöst. Mit der Hebamme haben werdende Eltern die Möglichkeit, das Für und Wider solch einer Diagnostik noch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten und vielleicht unnötige Ängste abzubauen. Auf jeden Fall wird der Arzt oder die Hebamme Kontakte vermitteln können, wo das Paar eine gute Beratung erhält.

Nun ist es auch langsam an der Zeit, sich um einen Geburtsvorbereitungskurs zu kümmern. Ist die Schwangere schon bei einer Hebamme in der Vorsorge, geschieht dies wahrscheinlich automatisch über diesen Kontakt.

Phase des Wohlbefindens
In dieser zweiten Phase fühlen sich die meisten Frauen rundum wohl und genießen ihre Schwangerschaft. Ab ca. der 18. Schwangerschaftswoche können die meisten auch erstmals ganz bewußt Kindsbewegungen wahrnehmen, z.B. ein leichtes Flattern im Bauch. Ist es das zweite oder dritte Kind, dann häufig auch schon früher.

Durch die hormonell bedingte Gefäßweitstellung und -tonusminderung sowie durch das zunehmende Volumen im Körper der Schwangeren erhöht sich der Druck auf das venöse System. Die meisten Frauen bekommen dadurch mit fortschreitender Schwangerschaft Wassereinlagerungen (Ödeme), hauptsächlich in den Beinen. Hier hilft: langes Stehen vermeiden, zwischendurch mal die Beine hochlegen, eventuell Stützstrümpfe tragen.

Viele Frauen bekommen zudem noch Krampfadern (Varizen). Auch hier gilt: durch "öfters mal die Beine hochlegen" Entlastung herbeiführen. Stützstrümpfe sind nun sehr ratsam; außerdem sollten regelmäßige Beingymnastikübungen in den Tagesablauf eingebaut werden. Mit bestimmten Massageölen und Wechselduschen kann das Gefäßsystem zusätzlich gekräftigt werden.

Hämorrhoiden entstehen ebenfalls aus den oben genannten Gründen. Über die Ernährung sollten die betroffenen Frauen für weichen Stuhlgang sorgen. Durch kühlende Sitzbäder oder Auflagen mit kühlendem Quark lassen sich schmerzhafte Hämorrhoiden lindern. Mit gezieltem Beckenbodentraining kann der Blutrückstrom gefördert werden, was ebenfalls zu einer Besserung führt.

Wadenkrämpfe sind für viele Schwangere ein nächtliches Problem. Doch mit Hilfe einer magnesiumreichen Ernährung (z.B. Aprikosen, Mandeln, verschiedene Gemüsesorten) und spezielle Streck- und Dehnungsübungen läßt sich recht einfach Abhilfe schaffen.

Um so größer das Kind wird, desto mehr drückt es der schwangeren Frau auf den Magen. Zudem ist auch der Magenschließmuskel von der hormonell bedingten Tonusminderung betroffen. Die Folge ist Sodbrennen, denn saurer Mageninhalt wird Richtung Speiseröhre gedrückt. Dies kann ein sehr schmerzhaftes Problem sein. Bestimmte Nahrungsmittel, vor allem scharf gewürzte Speisen, Kaffee etc., sollten nun gemieden werden. Durch häufigere kleine Mahlzeiten wird der Magen entlastet, insbesondere vor dem Schlafengehen ist es günstig, nicht mehr viel zu essen. Eine einfache, aber sehr wirkungsvolle Maßnahme ist das leichte Hochlagern des Oberkörpers beim Schlafen und Ruhen - einfach die Matratze hochstellen. Dann gibt es noch viele verschiedene Hausmittelchen: 1 TL Senf oder Heilerde, ein Glas Milch, Fencheltee, Kartoffelsaft, geschälte Mandeln... - alles was Säuren bindet. Durch Ausprobieren findet jede Frau meist das Richtige für sich.

Auch wenn sich die schwangere Frau wohl fühlt, sollte sie sich jetzt längere Erholungszeiten gönnen, eventuell den Arbeitsplatz "schwangerschaftsfreundlich" umgestalten und langes Stehen prinzipiell vermeiden. Nun wird es auch Zeit, mit dem Geburtsvorbereitungskurs zu beginnen, der neben gezielten Übungen und Vorbereitungen auf die Geburt auch Kontakt zu anderen werdenden Eltern ermöglicht.

Phase der Belastung
Der Bauch wird nicht nur größer, sondern auch schwerer. Die schwangere Frau geht zum Ausgleich des Gewichtes ins Hohlkreuz. Trotz Wirbelsäulengymnastik schon ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel können nun Kreuzbeinbeschwerden auftreten, denn das Illio-Sacral-Gelenk und die Bänder, die die Gebärmutter halten, sind hormonell bedingt stark aufgelockert. Jetzt sollte besonders auf richtiges Heben und Tragen geachtet werden. Regelmäßige Gymnastikübungen sollten fester Bestandteil im Tagesablauf sein. Massagen und ein warmes Kirschkernkissen oder ein Entspannungsbad helfen auch sehr gut. In schwierigen Fällen kann akupunktiert werden.

Ein weiteres leidliches Thema, welches zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die Verstopfung. Der Darm einer Schwangeren arbeitet sowieso schon träger, nun wird er durch das wachsende Kind immer mehr zur Seite geschoben. Nun sollte frau noch mehr auf eine ballaststoffreiche Kost (viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Müsli etc.) achten, viel trinken und Spaziergänge unternehmen. Bei hartnäckiger Verstopfung hilft z.B. Leinsamen mit viel Flüssigkeit, Milchzucker, Apfelessig und anderes. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dieses Problem gut in den Griff zu bekommen.

Auch mit dem Schlafen klappt es am Ende der Schwangerschaft nicht mehr so gut. Der Bauch stört, frau findet keine bequeme Liegestellung mehr. Vielleicht tritt auch gerade dann das Kind sie schmerzhaft in die Rippen, wenn sie sich zur Ruhe gelegt hat. Mit einfachen Lagerungsmitteln, wie ein zusätzliches Kissen und/ oder ein Stillkissen, kann die Schwangere sich besser betten. Mit einem "wilden Kind", welches schmerzhaft tritt, kann die Frau/ das Paar lernen "zu sprechen" und über Bauchmassage Kontakt aufnehmen (= Haptonomie).

Aber auch Ängste und Sorgen vor der bevorstehenden Geburt kann frau den Schlaf rauben. Ängste vor der Geburt sind normal. Mit Hebamme/ Arzt darüber zu sprechen oder Ängste auch zum Thema im Geburtsvorbereitungskurs zu machen, bringt meistens schon Entlastung. Ferner kann die Zeit nach der Geburt wie ein "Schreckgespenst" auftauchen und die Frage "Wie soll ich das bloß schaffen?" zu Schlafstörungen führen. Vielleicht gibt es schon kleine Kinder zu Hause, ein Umzug ist geplant... Auch hier können im Gespräch mit Hebamme/ Arzt Lösungen erarbeitet werden - z.B. könnte eine Haushaltshilfe organisiert werden. Entspannungsübungen und beruhigende Tees vor dem Schlafengehen können eine zusätzliche Hilfe sein.

Gegen Ende der Schwangerschaft, ab ca. der 32./33. Schwangerschaftswoche, wird auch die Lage des Kindes interessant, vor allem ob der Kopf (Schädellage) oder der Po (Steißlage) im Becken, also "unten", liegt. Dies kann Hebamme/ Arzt über einfache Handgriffe von außen ertasten. Im Zweifelsfall kann der Arzt per Ultraschall die genaue Lage des Kindes ermitteln. Für eine unkomplizierte Geburt wäre eine Schädellage wünschenswert. Liegt das Kind "verkehrt herum", kennt die Hebamme noch verschieden Tricks (bestimmte Körperhaltungen, Akupunktur, Moxa etc.), damit sich das Kind vielleicht doch noch in die gewünschte Lage dreht.

In den letzten Wochen der Schwangerschaft wird immer mal wieder der Bauch hart. Die Schwangere kann sogar leicht ziehende Kontraktionen spüren. Bis zu 10 solcher Vorwehen am Tag sind normal - die Gebärmutter "trainiert". Treten sie häufiger auf, sollte der Arzt bzw. die Hebamme kontaktiert werden. Längere Ruhepausen sind dann angebracht. Für die meisten Frauen beginnt jetzt auch der Mutterschutz.

Etwa vier Wochen vor dem Geburtstermin spüren die meisten Frauen die sogenannten Senkwehen - Kontraktionen, die sogar regelmäßig über ein bis drei Stunden anhalten und auch schmerzhaft sein können. Manche Frauen spüren diese Art Wehen nicht so deutlich oder gar nicht. Doch alle werden plötzlich merken, daß der Bauch seine Form verändert hat und das Atmen wieder leichter fällt, denn das Kind hat sich tiefer ins Becken gesenkt - sitzt sozusagen in Startposition.

Aber Vorsicht! Nur wenige Kinder (etwa 4-6%) halten sich wirklich an ihren berechneten Geburtstermin. Eine Abweichung von + / - zwei Wochen ist völlig normal. Wird der Geburtstermin überschritten, werden die Vorsorgeuntersuchungen häufiger durchgeführt.

Jede Schwangerschaft hat ihren individuellen Verlauf. Nicht alles hier Genannte muß wirklich auftreten, anderes wiederum wird hier gar nicht erwähnt. Eine gute Schwangerschaftsvorsorge und -begleitung mit Ihrem Arzt und der Hebamme geht genau auf Ihre persönlichen Bedürfnisse, Fragen und Wünsche ein, so daß Sie diese besondere Zeit auch genießen können.